Zum Inhalt springen

Ein Spiel und eine Lektüre

Der Tempel

Ein Haus mit sieben Zimmern, eine Liste und ein Klopfen an der Tür. Die Bilder stammen von Johannes Gossner, 1812, und sind älter als er. Das Ende stammt aus Offenbarung 3.

Das Haus des Herzens

Etwa zehn Minuten. Sieh dich um, nimm Dinge auf und benutze sie mit anderen Dingen. Deine Liste hängt an der Haustür.

Klicke oder tippe auf etwas, um es anzusehen oder zu nehmen. Wähle etwas, das du bei dir trägst, und klicke dann, wo du es benutzen willst. Mit der Tabulatortaste gehst du von Ding zu Ding. Du trägst eine Lampe. Sie geht dorthin, wohin du zeigst, tippst oder mit der Tabulatortaste springst. Wo ihr Licht hinfällt, zeigt das Haus seine Farben, und was darin wohnt, weicht zurück.

Dein Fortschritt bleibt in diesem Browser gespeichert, du kannst später weitermachen.

Zehn Bilder eines Herzens

1812 veröffentlichte Johannes Gossner (1773 bis 1858) Das Herz des Menschen, ein Tempel Gottes, oder eine Werkstätte des Satans, in zehn Figuren sinnbildlich dargestellt. Jede Figur zeigt dasselbe Herz mit einem Gesicht darüber. In der ersten wohnen sieben Tiere darin, jedes im Stich beschriftet: der Pfau für die Hoffart, die Kröte für den Geiz, der Bock für die Unkeuschheit, die Schlange für den Neid, die gefleckte Katze für den Zorn, das Schwein für Fraß und Völlerei, die Schildkröte für die Trägheit. Mitten unter ihnen steht ein Teufel. Draußen warten ein Engel und eine Taube. Die Tiere im Spiel sind aus diesem Blatt geschnitten.

Kupferstich: Ein Herz mit einem bekümmerten Gesicht darüber; darin Pfau, Kröte, Bock, Schlange, gefleckte Katze, Schwein, Schildkröte und ein gehörnter Teufel mit Dreizack; draußen warten ein Engel und eine Taube.
Gossner, erste Figur: das Innere eines Menschen, der der Sünde dient. Die Beschriftungen im Stich nennen die sieben Sünden. Exemplar der Library of Congress, gemeinfrei.

Neu war das Buch schon damals nicht. Gossner vermerkt selbst, die Bilder seien aus dem Französischen übersetzt und 1732 in Würzburg herausgegeben worden. Die Public Domain Review berichtet, dass Peter Daly diese deutsche Fassung auf 1733 datiert und dass David Morgan die ganze Bildtradition auf den flämischen Kupferstecher Anton Wierix und seine Folge Cor Iesu amanti sacrum zurückführt, das Herz, dem geweiht, der Jesus liebt.

Wierix stach diese Folge um 1600 in Antwerpen (Morgan nennt 1595; die National Gallery of Victoria datiert ihren Abzug zwischen 1590 und 1604). Auf einem Blatt steht das Christuskind im Herzen und kehrt es mit einem Besen aus. Schlangen, Echsen und ein kleiner Drache stürzen unten hinaus. Unter dem Bild steht ein lateinischer Vers:

O beatam cordis aedem, te cui caelum dedit sedem purgat suis manibus. Animose puer verre, monstra tuo vultu terre, tere tuis pedibus.O seliges Haus des Herzens: Der, dem der Himmel seinen Thron gab, reinigt dich mit eigenen Händen. Kehre mutig, Kind; schrecke die Ungeheuer mit deinem Blick; zertritt sie mit deinen Füßen. (Unsere Übersetzung.)
Kupferstich: Ein Kind mit Heiligenschein steht in einem großen Herzen und kehrt es mit einem Besen aus; kleine Ungeheuer und ein Drache stürzen unten aus dem Herzen; zu beiden Seiten knien Engel auf Wolken.
Anton Wierix II, Cor Iesu amanti sacrum, das Herz, vom Christuskind ausgekehrt. Antwerpen, um 1600. National Gallery of Victoria, gemeinfrei.

Das Haus, leer, gekehrt und geschmückt

Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandelt er dürre Stätten, sucht Ruhe, und findet sie nicht. Da spricht er denn: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er’s leer, gekehrt und geschmückt. So geht er hin und nimmt zu sich sieben andere Geister, die ärger sind denn er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie allda; und es wird mit demselben Menschen hernach ärger, denn es zuvor war. Also wird’s auch diesem argen Geschlecht gehen.Matthäus 12,43 bis 45, Lutherbibel 1912

Lukas überliefert dasselbe Wort (Lukas 11,24 bis 26). Gossner zitiert es nach Lukas, wenn er dazu kommt (sein Druck nennt Kapitel 9), und bei ihm findet der Geist das Haus „mit Besen gekehrt und geschmückt“. Seine siebte Figur ist dieses Wort als Bild: ein Herz, das einmal ausgeräumt war und nun wieder voll ist, alle Tiere zurück und jedes von einem Dämon geritten, in der Mitte eine gekrönte Gestalt auf einem Thron. Die Unterschrift nennt es den Herzenszustand eines Menschen, der nach seiner Bekehrung wieder in die alten Sünden zurückgefallen ist. Die Reiter im Spiel stammen von diesem Blatt.

Kupferstich: Ein Herz voller gehörnter Dämonen, die auf den Tieren der ersten Figur reiten; in der Mitte thront eine gekrönte, geflügelte Gestalt mit Dreizack; oben wenden sich ein Engel und eine Taube ab.
Gossner, siebte Figur: der Herzenszustand eines Menschen, der nach seiner Bekehrung in die alten Sünden zurückgefallen und nun ganz in der Gewalt des Satans ist. Exemplar der Library of Congress, gemeinfrei.

Bei Matthäus endet das Wort mit „diesem argen Geschlecht“. Es folgt auf den Streit, ob Jesus die Dämonen durch Beelzebub austreibt (Matthäus 12,22 bis 32), und in diesem Zusammenhang ist es eine Warnung an ein Volk ebenso wie an einen einzelnen Menschen. Gossner liest es vom einzelnen Herzen. Das Spiel folgt Gossner, und diese Seite sagt es.

Das Klopfen an der Tür

Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.Offenbarung 3,20, Lutherbibel 1912

Das Klopfen im Spiel stammt aus dem Sendschreiben an die Gemeinde in Laodizea (Offenbarung 3,14 bis 22), die weder kalt noch warm ist. Der Klopfende bricht die Tür nicht auf, und er wartet nicht, bis das Haus aufgeräumt ist. Die Worte richten sich an eine Gemeinde; das Spiel liest sie auf einen einzelnen Menschen hin, wie es die alten Andachtsbilder tun.

Kupferstich: Ein großes Herz mit einer Brettertür in der Mitte; daneben steht ein Kind mit Heiligenschein auf einer Wolke, klopft mit dem Türring und hebt die Hand, um zu horchen; ringsum Engel und Putten in den Wolken.
Anton Wierix II, Cor Iesu amanti sacrum, Jesus klopft an die Tür des Herzens. Antwerpen, um 1600. National Gallery of Victoria, gemeinfrei.

Auch das hat Wierix gestochen, in derselben Folge wie den Besen: das Christuskind an einer Brettertür im Herzen, den Türring in der einen Hand, die andere zum Horchen erhoben. Der Vers unter dem Blatt endet mit „Cor exsurge, vectem solve“: Steh auf, Herz, zieh den Riegel zurück. Der Riegel ist innen.

Warum jede Lösung schiefgeht

Jede Zeile auf der Liste lässt sich abhaken, und jedes Häkchen macht etwas schlimmer. Die Schildkröte wechselt vom Sofa ins Bett. Das Schwein wechselt aus der Speisekammer ins Esszimmer, und der Schlüssel der Speisekammer landet in der Kröte. Die Briefe verbrennen, und Jakobs Entschuldigung verbrennt mit. Wenn die Liste fertig ist, kommen die Tiere heim (Matthäus 12,44), und die eine Szene, in der du mit dem Besen auf das ganze Haus losgehst, endet so, wie Matthäus 12,45 es sagt. Die Haustür geht erst auf, wenn nichts mehr übrig ist, was vorher in Ordnung zu bringen wäre.

Das ist Absicht. Ein Spiel darüber, das eigene Herz durch Anstrengung rein zu halten, ruft den Einwand hervor, den ein aufmerksamer christlicher Leser zuerst erhebt, und im Luthertum hat er einen Namen: Werkgerechtigkeit. Die Bilder erheben den Einwand selbst. Bei Wierix hält Christus den Besen. In Gossners dritter Figur gehen die Tiere, wenn die Taube im Herzen Wohnung nimmt, nicht wenn der Besitzer es schrubbt.

Kupferstich: Ein Herz mit einer Taube in der Mitte, umgeben von Strahlen und kleinen Flammen; Pfau, Bock, Schwein, Schildkröte, Schlange, Kröte, Katze und ein Teufel stehen außerhalb des Herzens.
Gossner, dritte Figur: das Herz, das an Christus glaubt und mit dem heiligen Geist erfüllt wird. Die Tiere sind draußen.
Oder wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, welchen ihr habt von Gott, und seid nicht euer selbst. Denn ihr seid teuer erkauft; darum so preist Gott an eurem Leibe und in eurem Geiste, welche sind Gottes.1. Korinther 6,19 bis 20, Lutherbibel 1912
Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.Johannes 14,23, Lutherbibel 1912

Paulus zeichnet einen Tempel, in dem jemand wohnt, Johannes eine Wohnung. Keiner von beiden zeichnet ein Haus, das leer gehalten wird.

Was diese Seite nicht behauptet

Das sind Andachtsbilder, keine Belege für irgendetwas, das der Rest dieser Seite vertritt. Die Zuordnung von Tieren zu Sünden ist eine Übereinkunft der Emblembücher; die Schrift trifft sie nicht. Selbst die Verfasserschaft des Buches von 1812 ist umstritten: Bibliothekskataloge nennen Gossner, Gossner zusammen mit Philipp Friedrich Pöschel oder Johannes Nikolaus Jürgens Schmidt. Das Spiel ist das Bild eines einzigen Gedankens in etwa zehn Minuten, und man kann ihm widersprechen.

Bilder und Texte